1.000 Kilometer Reichweite mit SALD-Batterien?
Shownotes
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Über diese Ankündigungen waren selbst Batterie-Experten verblüfft: Angeblich habe das deutsch-niederländische Unternehmen SALD BV im November 2020 einen "Durchbruch in der Batterietechnik für Elektroautos" (Autobild) errungen.
Ein neuer Super-Akku könne "in rund zwei Jahren Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern ermöglichen". Sogar 2.000 Kilometer wären danach in greifbarer Nähe. Eine neue Technologie solle für einen "Quantensprung" sorgen. Das "Spatial-Atom-Layer-Deposition"-Verfahren wäre in einem Gemeinschaftsprojekt der deutschen Fraunhofer-Institute und der Forschungseinrichtung "The Netherlands Organisation" (TNO) entwickelt worden. Gemeinsam würden die Batterien nun weiterentwickelt und auf den Markt gebracht werden.
Kritik ist allerdings angebracht: Die Unternehmenspartner selbst wurden erst nach Veröffentlichung der Erfolgsmeldung in Kenntnis gesetzt. Zudem halten führende Batterieforscher wenig von dem Einsatz der ALD-Technik in der Batterie-Entwicklung.
Weiterführende Artikel: https://www.autobild.de/artikel/e-auto-batterie-neue-sald-technologie-18572069.html
https://www.ivv.fraunhofer.de/de/verpackung/technische-folien-veredelung/sald.html
https://t3n.de/news/fraunhofer-super-akku-e-autos-1337689/
Im Geladen-Podcast setzen sich Daniel Messling und Patrick von Rosen mit ihren Gästen wissenschaftlich mit den Themen Energiewende, Elektromobilität, Elektroautos und Batterieforschung auseinander. Dieser Podcast wird produziert für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
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Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:18: Willkommen zu einer neuen Folge von Batterie News.
00:00:20: Ich bin Patrick Rosen, gegenüber sitzt mir Daniel Messling.
00:00:24: Hallo Patrick!
00:00:25: Ebenfalls im Studio unser Gast Professor Doktor Maximilian Fichtner.
00:00:29: willkommen zurück
00:00:30: Guten Morgen.
00:00:30: Er ist stellvertretender Direktor am Helmholtz-Institut in Ulm.
00:00:34: Herr Fichtler wir wollen heute mit Ihnen über ein Unternehmen sprechen was im letzten Monat ganz schön Aufsehen erregt hat.
00:00:41: Und zwar über SALD, ein niederländisches Unternehmen welches auf absehbare Zeit einen Akku verspricht mit dem ein Elektroauto in zehn Minuten zu etwa achtzig Prozent und in zwanzig Minuten vollständig geladen werden könnte.
00:00:58: Ja und seitdem fragen sich die Menschen, ist da was dran?
00:01:01: Deswegen lese ich Ihnen jetzt die Schlagzeile vor von Autobild.
00:01:04: Zwanzigster Elfter-Zweitausendzwanzig.
00:01:07: Und zwar schreiben sie in der Überschrift mit neuem Superakku schon zweitausendzweiundzwanzich mehr als tausend Kilometer weitkommen.
00:01:16: Tolle Sache!
00:01:18: Ich meine solche Meldungen kommen eigentlich glaube ich dadurch zustande dass da eine Menge Druck ist im Kessel im Augenblick Die Elektromobilität ist was, wo man sich glaube ich darauf einstellen wird.
00:01:36: Und jeder versucht an der Zeit und noch vorhandenen Schwachstellen zu arbeiten und möchte praktisch die Nase im internationalen Rennen vorne
00:01:46: haben.
00:01:47: Das führt dann dazu dass manchmal Arbeitsgruppen oder auch Einzelperson sehr optimistisch über ihre Sachen berichten.
00:01:57: Und oft werden da so Einzelteile aus der Arbeit irgendwo nach vorne gestellt und es wird so eine Meinung erzeugt, als sei das jetzt die Lösung aller Dinge aber das Gesamtsystem wird ja gar nicht
00:02:14: betrachtet.".
00:02:15: Was haben die Niederländer denn hier eigentlich versprochen?
00:02:21: In der Innovation, es geht um Nano-Beschichtung von Elektroden.
00:02:25: Tatsächlich Beschichtung auf Atomgröße und das soll jetzt die Effizienz soweit gesteigert haben dass diese Batterien plötzlich doppelt so lange halten und doppelt zu viel Leistung abgeben.
00:02:38: wie ist sowas möglich?
00:02:39: Also wenn man sich die Nachricht mal anschaut dann wundert man sich als Batterieforscher schon über die Dinge, die da drin stehen.
00:02:51: Weil also die Nachricht selber, die schreit eigentlich in jeder zweiten Zeile... Ich habe eigentlich keine Ahnung von Batterien aber ich bin sehr optimistisch über das was wir hier machen.
00:03:02: Es sind da Dinge drinnen, die einfach nicht zueinander passen und es werden auch Dinge behauptet, die sich jetzt im nachhinein bereits als falsch herausgestellt haben.
00:03:13: Es geht im Kern darum, dass man eine bestimmte Beschichtungstechnologie, die man bisher für die Beschichtigung von einzelnen Atomlagen verwendet hat.
00:03:26: Die sogenannte Atomic Layer Deposition ALD also Atom-Lagenabscheidung jetzt in größerem Format nutzbar machen möchte, in Richtung einer SALD.
00:03:39: Also spatial also räumliche Atomlagenabscheidung und dadurch etwas dickere Lagen bekommen kann.
00:03:50: Die Sache ist die man würde damit nach den Entwicklern zufolge bestehende Materialien beschichten und dadurch ganz wunderbare Eigenschaften bekommen, wie zum Beispiel diese tausend Kilometer Reichweite.
00:04:06: Diese ultraschnelle Beladbarkeit usw.. Das ist nicht möglich!
00:04:14: Ich habe mal den Vergleich gebracht man kann auch nicht in einen Fiat Panda Rennen-Benzin einfüllen mit der Erwartung dass daraus ein Bolide entsteht.
00:04:25: Das geht einfach nicht.
00:04:27: Und was die Niederländer hier behaupten, das ist einfach eine Sache wo sie versuchen Batterie-Expertise an sich ran zu holen indem sie sagen wir haben dass in einem gemeinsamen Team mit der Fraunhofer Gesellschaft in Deutschland entwickelt.
00:04:46: Das haben Sie aber tatsächlich auch nochmal gerade gerückt ist ja so nicht gewesen.
00:04:51: Offensichtlich wurde da Vorarbeit geleistet von den Fraunhofer-Instituten, aber da wurde auch aus München zurückgerudert und die haben gesagt damit möchten wir uns nicht schmücken.
00:05:00: insofern das wurde dann nach wenigen Tagen
00:05:02: gerade gerückt.
00:05:03: Ganz genau!
00:05:04: Und zwar wurde es gerade gerügt nachdem sich der Leiter der Batterieaktivitäten von Fraun Hover gemeldet hat auf Twitter.
00:05:14: Wir kennen uns, ich habe dann auch TNO angeschrieben die ja mit da im Boot sitzen bei SALD.
00:05:22: Der kennt diese Arbeiten nicht!
00:05:25: Es ist nicht bekannt bei Fraunhofer dass irgendjemand mit SALD kooperieren würde und im Nachhinein haben sie tatsächlich zurückgerudert.
00:05:37: Also wir haben da auf eine Technik zurückgegriffen, die mal bei Frauenhofer entwickelt worden ist.
00:05:43: Bei Frauenhof hat man das entwickelt um Folgenverpackungen für Lebensmittel zu beschichten.
00:05:51: mit Batterien hatte das überhaupt nichts zu tun.
00:05:53: Offenbar kommt dieses Beschichtungsverfahren ja auch in der Photovoltaikindustrie standardmäßig zur Anwendung In Bezug auf Batterieproduktion sagen Sie jetzt aber Im Prinzip kann man das als komplette Nachrichtenente bewerten, oder?
00:06:10: Ja.
00:06:12: Man muss nur unterscheiden wofür diese Technik überhaupt sinnvoll einsetzbar ist.
00:06:20: für den Batteriebereich im Fahrzeug.
00:06:24: da ist es ja so dass man vielleicht irgendwie von fünfzig Kilogramm Material spricht Wenn sie sehr fein strukturierte, die reden ja auch von nanostrukturierten Batterien.
00:06:37: Also wenn es so ganz kompliziert aufgebaute Atomschichten in einer geometrischen Struktur aufeinander bringen wollen das kann man schon machen aber bis ich da mal fünfzig Kilogramm abgeschieden haben aus der Gasphase.
00:06:52: Es dauert erstens mal sehr lange und es wäre ihr seh nicht teuer völlig unbezahlbar.
00:06:58: Deshalb haben sie jetzt auch zurückgerudert und haben gesagt, naja wir peilen das ist im Auto erstmal doch nicht an sondern wir gucken erst mal vielleicht schaffen was kleine Batterien für Hörgeräte zu machen.
00:07:12: Was mich auch als Leie da so ein bisschen wundert ist dass diese doch sehr detaillierten Fahrpläne bis glaube ich zwanzig siebenundzwanzig Das wird immer so vorgetragen, als wenn das ein klarer Zeitraum ist in dem das möglich ist und dass auch dann auch so passiert.
00:07:28: Gibt es denn dann irgendwelche Testzellen oder einem größeren Maßstab die da produziert wurden?
00:07:34: Oder woran machen diese sozusagen die Skalierbarkeit dieser Zellen fest?
00:07:40: Das ist eine gute Frage!
00:07:42: Ich meine sie müssen natürlich versuchen auch irgendwo eine gewisse Glaubwürdigkeit zu erzeugen.
00:07:48: und ich würde mal behaupten wollen, dass ein Großteil der Motivation solcher Beiträge ist, Investoren Geld anzulocken.
00:07:59: Und wenn sie dann sagen ja bis zwei tausendfünfundzwanzig oder sieben und zwanzig was auch immer haben wir da ein fertiges System.
00:08:06: Dann klingt es so als ob sich mit dem Prozess schon ausführlich befasst hätten dadurch das sie aber bei der Beschreibung des Systems zu viele Fehler gezeigt haben und Unwissenheit an den Tag gelegt haben, wie sowas überhaupt funktioniert.
00:08:25: Darf man getrost bezweifeln dass sie das bis dorthin auch beherrschen werden.
00:08:30: vielleicht die Technik selber aber die müssen sich ja erst mal ganz offensichtlich mit Batterien als solche befassen.
00:08:37: Ja, was ich auch bemerkenswert fand war dass das ja doch ein sehr kleines Unternehmen ist.
00:08:41: Ich glaube siebenzwanzig Mitarbeitern habe ich gelesen.
00:08:44: Ist es überhaupt realistisch?
00:08:45: Dass die ganz großen Batteriehersteller so eine Technik nicht benutzen wenn sie obwohl sie eigentlich schon länger bekannt ist und dann aber so einen kleinen Startup plötzlich damit durch die Deckel geht?
00:08:56: kann man das grundsätzlich auch schon ausschließen oder muss man da schon hellhörig werden wenn dann solche Meldungen von Startups kommen?
00:09:03: Also ich bin mir relativ sicher, dass der eine oder andere Zellmaterial oder Zellhersteller solche Techniken im Hause hat.
00:09:12: Wie auch immer die jetzt sein werden ob das SALD ist praktisch mittlerweile schon ein Standardverfahren zur Beschichtung aber da geht es wirklich darum die Oberflächen von Batteriematerial und also diesem Pulver, was da drin ist zu beschichten.
00:09:30: Und sie dadurch stabiler zu machen weniger angreifbar
00:09:35: usw.,
00:09:36: sodass das Ganze im Auto einfach länger hält.
00:09:38: Das hat nichts damit zu tun dass da die Speicherkapazität um Faktor drei erhöht werden würde oder die die Ladezeit in astronomisch kurze Bereiche verschoben werden würde.
00:09:50: Wir lassen das mal so stehen.
00:09:51: Vielen Dank, Herr Fichtner für den Moment!
00:09:53: Das war Batterie-News, Batterieforscher kommentieren Schlagzeilen.
00:09:57: Wenn Sie jetzt noch Fragen haben dann wie immer eine E-Mail an Daniel.messling at kit.edu oder an mich patrick.rosenatkit.eu Oder über Twitter.
00:10:07: et Helmholtz Ulm oder Polis Exzellenzklaster.
00:10:10: Vielen dank für Ihr Kommen, Herr fichtner.
00:10:11: Vielen danke fürs Zuhören.
00:10:12: alles Gute.
00:10:13: Vielen Danke auch von meiner Seite bis zum nächsten Mal.
00:10:15: Ja vielen Dank euch.
00:10:19: Batterieforscher kommentieren Schlagzeilen.
00:10:31: Dieser Podcast wurde produziert vom Center for Electrochemical Energy Storage, ULM und Karsthohe Kurz Celeste – einer Forschungsplattform des Carsthoher Instituts für Technologie der Universität Ulm und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg.
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